Das 9. Türchen — 09.12.2016

Miteinander & Füreinander gGmbH
Ju-Com GmbH

Im Landkreis Wittmund leben noch etwa 70% der Personen, die in Werkstätten für Behinderte (WfbM) arbeiten, im Elternhaus. Dieser Prozentsatz ist deutlicher höher als der Bundesdurchschnitt. Damit ist die Zukunft für Personen mit geistigen Defiziten und Mehrfachbehinderungen im hiesigen Raum nicht gesichert. Familien müssen auf freiwerdende Wohnplätze lange warten,  im Notfall sogar ihre Kinder entweder ortsfremd oder in örtlichen Pflegeheimen unterbringen. Das ist keine Lebensperspektive für die Betroffenen.

Die Elterninitiative „Miteinander & Füreinander“ machte sich zum Ziel, ein selbstbestimmtes, generationsübergreifendes und barrierefreies Wohnen in einem gemeinschaftlich genutzten Haus in Einzel- bzw. Paarwohnungen in Esens zu schaffen. Dort sollen etwa 10 Personen mit Hilfebedarf und auf Wunsch auch betroffene Eltern altersgerecht und gemeinschaftlich wohnen und versorgt werden. Jeder Bewohner wird in einer eigenen Wohnung bzw. Apartment möglichst eigenständig leben, aber mit Hilfe des Pflegegeldes und des persönlichen Budgets so viel Assistenz bekommen, wie er benötigt. Die Organisation der Assistenz obliegt jedem Bewohner bzw. dessen gesetzlichen Betreuer selbst, wird dabei aber von der gGmbH unterstützt. Um das Haus nach außen zu öffnen, werden auch gemeinschaftliche, inclusive Angebote das Miteinander stärken. Durch die Möglichkeit, dass auch Eltern und Personen mit unterschiedlichen Behinderungsformen in der Anlage leben, sich am Alltag beteiligen und als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung stehen, bekommt das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung eine besondere Prägung. Ebenso können insbesondere die Assistenzkosten erheblich reduziert werden.

Der vorgesehene Personenkreis kommt ausschließlich aus Esens und Umgebung und möchte keinesfalls durch eine Unterbringung in eine entfernte Einrichtung seine familiären, freundschaftlichen und heimatlichen Bindungen verlieren. Drei Personen leben z. Z. noch im Elternhaus, sollen, wollen und müssen jedoch dringend verselbstständigt werden. Einige bereits allein lebende Personen benötigen aufgrund ihres Alterungsprozesses und zunehmender Vereinsamung umgehend mehr Gemeinschaft und Unterstützung.

Um die Bedürfnisse der künftigen Bewohner schon jetzt aufzufangen, bieten wir seit mehr als einem Jahr ein umfangreiches Freizeitprogramm und eine begleitende Wohnassistenz. Dafür muss allerdings ein ausreichender Versicherungsschutz und ein Fahrzeug zur Verfügung stehen.

Das Projekt muss sich neben wenigen staatlichen Fördergeldern weitestgehend aus eigenen Mitteln und Spenden finanzieren. In einer strukturschwachen Region wie Ostfriesland ist das eine gewaltige Aufgabe, bei der wir auf jede Hilfe wie z. B. bei der Organisation von Benefizveranstaltungen und Weihnachtsmärkten etc. angewiesen sind.

Ju-Com GmbH